„Ein guter Beckenboden macht das Leben lebenswerter!“ – Ein Interview

Was ist der Beckenboden, warum ist er wichtig und warum sollte man ihn gut in Form halten? Im Interview mit Sophie erzählt Beckenboden-Trainerin Ulya, warum man und vor allem frau am besten vorsorglich trainieren sollte – spätestens aber dann, wenn beim Trampolinspringen ein Gefühl aufkommt wie „Oh mein Gott, gleich fällt mir die Gebärmutter raus!“.

Ulya kennt sich mit dem Beckenboden aus

Interview über den Beckenboden

Liebe Ulya, was würdest du zu dieser Erfahrung sagen? Ich selbst habe zwei Kinder geboren und ehrlich gesagt traue ich mich auch anderthalb Jahre nach der zweiten Geburt noch nicht wieder auf ein Trampolin, denn dann spüre ich meinen Beckenboden irgendwie schwer und unangenehm. Kannst du erklären, was der Beckenboden überhaupt ist und woher mein komisches Gefühl beim Trampolinspringen kommt?

Der Beckenboden ist die Muskelgruppe, die unseren Körper nach unten hin abschließt. Bei Frauen schließt er damit drei Öffnungen ab, die unterschiedliche Funktionen haben: Ausscheidung von Urin, Ausscheidung von Stuhl und das Gebären von Babys. Der Beckenboden hält uns aufrecht, trägt unsere Organe und wenn wir schwanger sind, trägt er auch unser Kind im Bauch. Ein guter Beckenboden ist sehr viel Wert, denn er schützt vor vielseitigen Beschwerden und ermöglicht ein befriedigendes Sexualleben. Ein guter Beckenboden macht das Leben lebenswerter, das ist einfach so!

Das schwere Gefühl nach unten, das du beim Trampolinspringen gemerkt hast, ist der Druck der Organe von oben auf den Beckenboden. Auf dem Trampolin wirkt die Schwerkraft besonders stark und bei einem geschwächten Beckenboden kann sich das schon mal anfühlen wie „Oh mein Gott, gleich fällt mir die Gebärmutter raus“.

Was sind weitere Anzeichen dafür, dass der Beckenboden nicht ganz so fit und trainiert ist, wie er eigentlich sein sollte?

Ein klassisches Anzeichen für einen nicht ganz intakten Beckenboden ist, dass man ein bisschen Urin beim Niesen, Husten oder Lachen verliert oder auch wenn man mal wieder joggen geht. Ein anderes Anzeichen für einen eher schwachen Beckenboden kann auch sein, dass man nachts öfter Pipi muss. Ein schweres Gefühl im Unterleib, so ein Druck nach unten, kann auch vorkommen – in etwa so, wie du es beim Trampolinspringen gefühlt hast. Manchmal fühlt es sich auch so an, als hätte man einen Fremdkörper in der Scheide. Es gibt sicher noch mehr Anzeichen für einen geschwächten Beckenboden, aber das sind so die häufigsten Beschwerden.

Was mir immer noch wichtig ist, zu betonen: Der Beckenboden ist ja nicht nur wichtig, damit man z.B. kein Pipi in die Hose macht. Er schützt uns auch vor Rückenschmerzen und einer Vielzahl anderer körperlicher Beschwerden! Bei typischen Rückenbeschwerden wäre gutes Beckenbodentraining sogar oft sinnvoller als klassisches Rückentraining. Viele Schmerzen kommen von einem schlecht trainierten Beckenboden: Rücken, Knie, Füße, Hüfte – das kann alles mit dem Beckenboden zusammenhängen, weil er unsere ganze körperliche Aufrichtung bestimmt. 

Daher tut sanftes Beckenbodentraining auch Schwangeren sehr gut: Sie können damit Rückenschmerzen bekämpfen und dafür sorgen, dass der Beckenboden stark bleibt und das Kind gut trägt. 

Kommen Beckenbodenbeschwerden eigentlich nur von Geburten oder kann es auch andere Ursachen haben?

Beckenbodenbeschwerden werden oft mit Geburten in Zusammenhang gebracht, können aber auch andere Ursachen haben. Hohes Übergewicht, ein sehr ungünstiger Lebensstil, falsches oder zu extremes Training können ebenfalls Probleme verursachen.

Dass es kein reines Frauenproblem nach Schwangerschaft und Geburt ist, zeigt ja allein, dass auch Männer Beckenbodenprobleme bekommen können. Das geht dann oft mit einer Prostataabsenkung einher oder verursacht, dass die Männer im Bett nicht mehr so können wie sie gerne wollen.

Aber klar, bei Frauen beobachtet man Probleme mit dem Beckenboden sehr häufig nach Geburten. Gleichzeitig haben viele Frauen aber auch nach Kaiserschnittgeburten Beckenbodenbeschwerden und auch die Zahl an kinderlosen Frauen über 30 Jahren nimmt zu, deren Beckenboden zu wenig trainiert ist. Ich würde also sagen, es schadet allgemein nicht, dem Beckenboden etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Warum ist es so wichtig, den Beckenboden wieder richtig fit zu machen? Ich meine, ich könnte auch prima ohne Trampolinspringen leben. Inkontinent bin ich schließlich nicht…

Klar kann man ohne Trampolinspringen gut auskommen. Frau sollte aber immer im Kopf haben, dass es im Alter noch mal zu Verschlimmerungen kommen kann. Oft kommt es ab der Menopause, also den Wechseljahren, zu ärgeren Beschwerden, z.B. dass man dann wirklich den Urin nicht mehr halten kann. In schlimmeren Fällen kann es auch zu Organabsenkungen kommen, also dass z.B. die Gebärmutter runterkommt.

Das muss natürlich nicht passieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist höher, wenn man in jüngeren Jahren schon eine leichte Beckenbodenschwäche hat. Vorbeugen ist daher das Allerbeste. Aber auch wer erst in den Wechseljahren merkt, dass da etwas nicht stimmt, hat noch gute Chancen. Für wirkungsvolles Training, ob in speziellen Kursen oder z.B. mit Yoga oder Pilates, ist es nie zu spät!

Danke, liebe Ulya, für das sehr informative Interview! 

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